„Afrikas Krisen sind auch unsere Krisen“

Experte Jan-Niclas Gesenhues zu Gast bei den Grünen / Alter Vorstand bleibt fast neuer Vorstand

Coesfeld, 24.02.18 (hlm). Satzungskonform kommt auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Montag (19.02.18) von Walter Böcker: „Stellt sich eine Frau als Kandidatin für die Wahl zur Ortssprecherin?“ Stille aus den weiblichen Mitgliederreihen. „Darf sich ein männlicher Kandidat zur Wahl stellen“, richtet er die Worte an die Frauen von Bündnis 90 / Die Grünen. „Ja, einstimmig “, stellt der Wahlleiter fürs Protokoll fest. „Ich habe dazu gelernt“, grinst Böcker, weil es bei vergangenen Wahlen hitzige Debatten über das Prozedere gab. Hinter den restlichen Abstimmungen zur Vorstandswahl machte die Versammlung auf dem Coesfelder Berg schnell einen Haken. Einstimmig bleibt Norbert Vogelpohl Ortsverbandssprecher. Via WhatsApp nimmt er die Wahl an, da er an dem Abend nicht persönlich dabei sein kann. En bloc platzieren die zwölf stimmberechtigten Anwesenden Hans-Jürgen Braukmann, Eberhard Knost, Mareike Raack und Josef Flögel als Beisitzer und Christian Tiepold als Kassierer auf die Vorstandsstühle. „Ein sozialistisches Ergebnis“, kommentiert trocken Wahlleiter Böcker das einstimmige Ergebnis.
Bevor die Kugelschreiber für die Stimmzettel gezückt wurden, stellte Jan-Niclas Gesenhues Wege zur Bekämpfung von Fluchtursachen in Afrika vor. „Wir haben eine stereotype Betrachtung von Afrika“, stellt der 28-jährige Volkswirt unser gesellschaftliches Bild des Landes vor. Dabei ist in dem Kontinent mit seinen 55 Ländern von Autokratie bis Demokratie alles vertreten. In Maputo, Hauptstadt von Mosambik, ist die Digitalisierung unserer weit voraus. „Selbst an den Marktständen ist die Bezahlung per Smartphone möglich“, nennt der Doktorand ein Beispiel für innovativ aufgestellte Strukturen. Doch in dem 1,1 Milliarden Einwohner zählenden Kontinent gibt es eine große soziale Schieflage. In seiner Dissertation beschäftigt sich der Volkswirt mit der dezentralen Versorgung mit erneuerbaren Energien, um damit in den zersplitterten Wohnsiedlungen Afrikas die Rahmenbedingungen für ein selbstständiges Agieren zu schaffen. Diese Bemühungen werden durch die undifferenzierte Entwicklungszusammenarbeit und einer Subventionierung unserer heimischen Landwirtschaft konterkariert. Gesenhues sieht für die Bekämpfung von Fluchtursachen aus Afrika zwei Stellschrauben. Die Erste bei der Agrarpolitik, die mit jetzigem Prinzip Billigexporte landwirtschaftlicher Produkte aus Deutschland und der Europäischen Gemeinschaft zu einer Agrarzerstörung in Afrika führt. Die Zweite in einer neuen Handelspolitik, die die Wertschöpfungskette von Rohprodukten und die damit gekoppelte Wertsteigerung in Afrika belässt. Da nickt der Kopf von Dr. Felin Twagirashyaka. Der aus Ruanda kommende interkulturelle Promotor für „Eine Welt Netz NRW“ weiß aus eigener Erfahrung, dass vom Entwicklungsbudget vieles in der Bürokratie hängen bleibt. Der in Münster lebende Afrikaner will nicht das Gießkannenprinzip: „Das Geld muss an die richtigen Stellen kommen“. Sprecher der Grünen im Kreis Warendorf, Jan-Niclas Gesenhues, formt sein Abschlussstatement: „Afrikas Krisen sind auch unsere Krisen.“
Von der großen weiten Welt zurück ins Lokale führt Charlotte Ahrendt-Prinz mit ihrem Bericht aus der Fraktion. An vielen Stellen die ökologische Partei den grünen Stempel aufgedrückt. Sei es bei geplanten Bauprojekten oder beim Engagement zum Klimaschutz. Den Begriff „Kaltluftschneisen“ wirft sie in den Raum. Auf diese grünen Streifen, die das Mikroklima im Stadtbereich positiv beeinflussen, gilt es vermehrt zu achten. Brandaktuell diskutiert die Gruppe über Coesfelds Bewerbung für eine Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge. Walter Böcker sieht das kritisch. Es sei eine Behördenstelle, die über Abschiebungen entscheidet. Ob dass das richtige Aushängeschild für Coesfeld sei, stellt er die rhetorische Frage.

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