Weihbischof Zekorn nahm erstmals an der Coesfelder Kreuztracht teil

Coesfeld, 16.09.18 (pbm/mek). Rund 500 Christen waren am Sonntagmorgen, 16. September, dem Coesfelder Kreuz zur Lichtung an der Kleinen Kapelle gefolgt. In diesem Jahr schmückten zahlreiche blaue Bänder das Prozessionskreuz. Jedes einzelne Bändchen stand für persönliche Anliegen von Gläubigen, die sie dem Gekreuzigten anvertraut hatten. Erstmals begleitete auch Regionalbischof Dr. Stefan Zekorn die Coesfelder Kreuztracht, die unter dem Leitthema „… bis in den Himmel“ stand. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aller Altersgruppen feierte Zekorn, der herzlich von Pfarrdechant Johannes Arntz begrüßt wurde, unter freiem Himmel die heilige Messe.

In seiner Predigt wies Zekorn auf die verschiedenen Dimensionen des Coesfelder Kreuzes hin. Auf den ersten Blick falle der leidende Christus auf. Gleichzeitig habe der Künstler vor mehr als 700 Jahren eine weitere tiefere Symbolik eingebracht. „Er hat ein Gabelkreuz geschaffen, das sich zum Himmel öffnet. Jesus, der am Kreuz gelitten hat, eröffnet und schenkt uns neues Leben“, erläuterte Zekorn. Das bringe auch das Motto zum Ausdruck, das das Vorbereitungsteam für die diesjährige Kreuzwoche und die Kreuztracht auswählt habe. „Es geht um den Himmel, den wir auch ein wenig auf der Erde erfahren können. Christus ist gekommen und hat alles Negative auf sich genommen, um es in Leben zu verwandeln. Und manchmal können wir es auch selbst erfahren“, sagte Zekorn weiter und fügte hinzu: „Wer auf das Coesfelder Kreuz schauen und sich mit Jesus verbinden kann, dem kann sich auch im Leid eine Kraft eröffnen.“

Das Kreuz sei eine Herausforderung, „so zu leben, wie Jesus gelebt hat und daraus die Kirche und Gesellschaft zu gestalten. Das ist die Kraft, die das Kreuz in unserem Miteinander entfalten kann“, sagte Zekorn. Dabei sei es wichtig, zunächst den Anderen in den Blick zu nehmen und nicht sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. „Das verwandelt unser Leben. Wir brauchen diese andere Perspektive in unseren kleinen Kreisen, in der Kirche und im ganzen Land“, ist sich Zekorn sicher. Er erinnerte daran, mit welcher Offenheit im Herbst 2015 die Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen worden seien. Und wie erschreckend es sei, wie Teile der Bevölkerung nun angstvoll reagierten und zumachten, nahm Zekorn Bezug auf die aktuellen Vorkommnisse in Sachsen. „Unser Glaube ermöglicht uns, in all diesen Herausforderungen nicht blauäugig, aber dennoch mit einem offenen Herzen denen zu begegnen, die aus Kriegselend und existenzieller Not zu uns kommen. Das Kreuz fordert uns auf, uns immer wieder darauf zu besinnen, dass wir aufgerufen sind, denen, die wirklich leiden, unser Herz und auch unser Land zu öffnen“, sagte Zekorn.

Das Kreuz konfrontiere die Menschen mit der Wirklichkeit des Lebens und erinnere daran, dass Jesus gekommen sei, um die Menschen zu erlösen, ihnen das Leben zu schenken. Aber es fordere auch dazu heraus, aus seiner Botschaft zu leben und so das Miteinander und die Gesellschaft zu entfalten. „Ich finde es gut, wenn in staatlichen Gebäuden Kreuze hängen, um diese Botschaft deutlich zu machen. Aber es ist völlig inakzeptabel und gegen das Evangelium, mit dieser Wirklichkeit Wahlkampf zu machen“, betonte Zekorn. Er forderte die Prozessionsteilnehmer auf, sich immer wieder darauf einzulassen, dass Jesus gekommen sei, um den Menschen in Unheil und Leiden, Kraft zu schenken und ihnen einen Weg zu eröffnen. „Das wird manchmal jetzt schon erfahrbar, erst recht aber im Himmel. Wenn wir mit dem Coesfelder Kreuz im Alltag aus dieser Verheißung leben, dann trägt uns der Lebensbaum des Kreuzes hier auf der Erde bis in den Himmel“, griff er zum Schluss seiner Predigt das Motto noch einmal auf.

Im Anschluss an den Gottesdienst, der musikalisch von der Stadtkapelle Coesfeld sowie von Markus Eckrodt begleitet wurde, folgten die Gläubigen auf dem Kreuzweg dem Coesfelder Kreuz zur Großen Kapelle und anschließend zur St.-Lamberti-Kirche. Dort erhielten sie den Abschlusssegen.

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