70 Friedensaktivisten in Dülmen

Ein Kommentar von Hartmut Levermann

Kreis Coesfeld/Dülmen, 22.04.19. Die Melodie des Liedes gegen den Wahnsinn des Krieges vom deutschen Liedermacher Hannes Wader kreist jenen noch im Kopf, die in den 80er und 90er Jahren gegen die atomare Aufrüstung auf die Straße gegangen sind. Eine halbe Millionen Menschen bewegten sich in Bonn auf den Hofgarten zu, aus Angst vor eine Wiederholung eines Weltkrieges und gegen den NATO-Doppelbeschluss. Weltweit bildeten friedlich die Friedvollen Reihen, unabhängig ihrer Gesinnungen oder Herkunft. Es vereinte sie gegen den Wahnsinn des Kalten Krieges zu protestieren. Am Ende stand ein Abrüstungsabkommen. Für Jahrzehnte war der Frieden in Europa und zwischen den Großmächten gesichert. Der Aufrüstungswettkampf fand sein Ende. Michail Gorbatschow krempelte mit Offenheit (Glasnost) und Umgestaltung (Perestroika) den Kreml um. Siegesgewiss rollte die Friedensbewegung die blauen Fahnen mit den weißen Tauben ein. Plakate und Aufkleber, wie “Atomwaffen nein Danke” oder “Petting statt Pershing”, verschwanden vom Straßenbild. Die atomaren Mittelstreckenraketen aufseiten der USA und Russland wurden abgewrackt – verschrottet. Wir wogen uns in Sicherheit. Bis plötzlich mit der Aufkündigung des atomaren Abrüstungsvertrag INF seitens der USA im Februar 2019 für jeden die Alarmglocken zu schrillen begangen.

Die Einladung der Friedensfreunde Dülmen zum Ostermarsch 2019 kam genau treffend. Auf die Straße gehen und für Frieden und Abrüstung stehen. 70 Friedensaktive versammeln sich am Ostermontag um 11:58 Uhr vor dem Dülmener Rathaus. Auch ein Stück von Hannes Wader ist vertreten, Traum vom Frieden. Sprecher der Friedensinitiative Michael Stiels-Glenn rüttelt wach. Er sieht in der Aufkündigung des INF-Vertrages ein zusätzliches Zeichen in der Gefahrenkette eines neuen Kalten Krieges. Die Uhr eines bevorstehenden Weltuntergangs steht für ihn zwei Minuten vor zwölf. 2016 hörte er bereits die Signale, als plötzlich US-Soldaten in die ehemaligen britischen Tower Barracks zogen. Grund, 2017 den Verein Friedensfreunde Dülmen zu gründen. Für Stiels-Glenn ist heute ein Erfolgstag. So viele sind bis jetzt noch keinem Aufruf zum Friedensmarsch gefolgt. Mit dem Fahrrad machen sie sich auf den Weg zum ehemaligen Sondermunitionslager in Dülmen Visbeck. Auf dem Grundstück, das jetzt im Besitz der Stadt Dülmen ist, möchte die SPD eine Gedenkstätte für den “Wahnsinn des Kalten Krieges” schaffen. Unterstützung gibt es von der Univeristät Münster und vom Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL). Nur die Stadt Dülmen will es gerne komplett als ökologische Ausgleichsfläche für Bauprojekte verwenden und sieht nur bedingt Platz für eine museale Fläche, wie SPD-Ratsmann Heiner Kiekebusch vor dem Zaun des Munitionsdepots erläutert.

Gastredner aus Enschede, Jan Schaake, findet vor den Toren des Munitionsdepot treffende Worte. (Foto hlm)

“Die Atombomben, die hier in Visbeck gelagert waren, sind weg und unsere Gedanken an den Kalten Krieg damit auch”, formuliert treffend der niederländische Friedensaktivist Jan Schaake von der “Enschede voor vrede“. Bis 1990 lagerten auf dem Gelände die atomaren Sprengköpfe. Einen prädestinierteren Erinnerungsort für die Ostermarsch-Bewegung im Kreis Coesfeld kann es kaum geben. Hier könnten sich jedes Jahr die Friedvollen treffen, um auf die Gefahr der Wiederaufrüstung aufmerksam zu machen – nach pazifistischem Vorbild selbstverständlich. Und mit mehr Vertretern aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft. Es ist an der Zeit!

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